Wissenschaft und Plagiate

Manchmal muss man eine Weile warten bis man sich zu brisanten Themen äußert, um nicht in die Desinformationsfalle zu tappen. Der große Aufschrei bezüglich der Plagiatsaffäre von Herrn Karl Theodor von und zu Guttenberg ist vorbei, irgendwie hat die ganze Affäre mehr als nur einen unangenehmen Beigeschmack. Der merkwürdige Zufall der Auffindung, der nicht als Zitate kenntlich gemachten Textstellen, der wundersame Elan der Gegner des ehemaligen Minister, die Frage eines Ghostwriter und auch das Versagen der Prüfungskommission. Welcher Art sind nun die Plagiatsvorwürfe, unabsichtliches Aneinanderreihen von gelesenen Beiträgen oder tatsächliche Täuschung. Wer das kann das schon sagen?
Ich komme zu keinem Statement meinerseits, zu undurchsichtig ist der Vorgang und doch möchte ich einige Dinge näher betrachten.
Das Fehlverhalten ist unentschuldbar aus wissenschaftlicher Sicht, es gibt Richtlinien bei Diplom- und Doktorarbeiten und diesen ist zu entsprechen. Hier stellt sich mir aber die Frage wie konnte es kommen, dass der Doktorvater und die gesamte Prüfungskommission die fehlerhaften Stellen nicht bemerkten? Pflichtvergessenheit im erweiterten Umpfang, Faulheit oder gar Rücksichtnahme vor Universitätssponsoren? Ich weiß der Ausdruck ist hart, aber mir fällt dazu nichts anderes ein.
Vor vielen Jahren habe ich auch Arbeiten kontrollieren und bewerten müssen, leider damals noch ohne das “world wide web”. Ein Lehrauftrag hat mit Fleiß und Gewissenhaftigkeit zu tun, darf niemals in Routine verfallen und setzt Objektivität vorraus. Sicher es gibt keine absolute Objektivität und doch sollten gerade Lehrkräfte danach streben! Es wäre angenehmer gewesen wäre die Diskussion sachlicher verlaufen und nicht so emotional aufgeputscht. Die Wertung der Arbeit obliegt der Wissenschaft aber moralisch gesehen war der Rücktritt unumgänglich. Warum moralisch?
Wie schwer wird es sein den Vorsatz nachzuweisen, es wird sicherlich noch einige Verfahren geben, die sich mit diesem Thema beschäftigen aber schon jetzt wird der Ausgang dieser zweifelhaft sein. Was bleibt sind nicht aufgeführte Zitate aus öffentlich zugänglichen Materialien. So bleibt nur zu sagen bzw. zu schreiben “in dubio pro reo” im Zweifel für den Angeklagten ohne die moralische Verantwortung zu negieren.
Was die Arbeit als Minister betrifft, so scheinen mir die Meinungen auch auseinander zu gehen und auch da gilt, abwarten. Eines ist aber sicher, die Strukturreform in der Bundeswehr ist wohl die größte Reform seit Bestehen der  Selbigen.
Letztendlich wäre es redaktionell und moralisch wünschenswert die Medien würden sich wieder dem Dienst der Soldaten und Zivilbediensteten widmen, die ihren Dienst für unser Land tuen anstatt Dolchstoßlegenden hinterherzujagen.
Deutschland hat nun wirklich wichtigere Probleme zu lösen!

Euer DerSchwarzgraue

Ein Gedanke zu „Wissenschaft und Plagiate

  1. Clemens Schiller

    Es ist immer wieder bemerkenswert, wie direkt so ein Hype verglüht. Durch Libyen und Japan ist zu Guttenberg von einem Tag auf den anderen weg. Man hat noch den Großen Zapfenstreich mit Smoke on the water in Erinnerung, seitdem liest und sieht man nichts, weder von Guttenberg selber noch von seinen angeblich vielen Fans.

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